Elite Controller im Test

Der Xbox One Elite Wireless Controller von Microsoft für den PC

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Elitäres Spielgerät, Snob-Hardware oder Profi-Werkzeug? Kann der Elite Controller von Microsoft auch PC-Spieler überzeugen, seinen hohen Preis rechtfertigen und neben der kleinen aber starken Konkurrenz bestehen? Ein Erfahrungsbericht.

Was man sich nicht alles kaufen könnte für den Preis eines Xbox One Elite Controllers, mag sich der eine oder andere ausmalen und sich fragen, wer braucht denn sowas? Zum Glück dürfen wir aber selbst entscheiden, ob wir bereit sind für unser Hobby derart tief in die Tasche zu greifen. Und nicht wenige von uns tun das auch. Bei den Hardwarepreisen für PC-Komponenten, wie beispielsweise neue Grafikkarten, mechanische Tastaturen oder Gaming-Mäuse, musste der PC-Kunde schon immer ein gesundes Maß an Schmerzfreiheit mitbringen.

Sicherlich, der Preis von circa 150 Euro für ein Gamepad scheint auf den ersten Blick happig, relativiertXbox360controller sich aber schnell mit Blick auf die Verarbeitung, die Materialien, den angebotenen Features sowie die Konkurrenz und die angepeilte Zielgruppe. Gleich vorneweg, Dritthersteller in dieser gehobenen Produktkategorie, von denen es nicht viele gibt, bieten ihre exklusiven Gamecontroller zu vergleichbaren Preisen an, wenn nicht sogar teils teurer. Beispielsweise wäre da die Razer Wildcat oder der Scuf Infinity 1 zu nennen, auf die ich später noch genauer eingehen werde.

Als leidenschaftlicher PC-Spieler, der jahrelang neben Tastatur und Maus keine Hardware-Fremdkörper an seine Hände lassen wollte, habe ich zwar schon früh die Vorteile eines guten Gamepads zu schätzen gelernt, jedoch nur selten genutzt und auf Renn-, Flug- oder Sportspiele beschränkt. Angefangen hat es 1996 mit der ersten Generation des Microsoft-Sidewinder-Gamepads. Mangels ernstzunehmender Konkurrenzprodukte und aus Kompatibilitätsgründen mit frühen Windows-Versionen war die Hardware von Microsoft das Mittel der Wahl. Endgültig überzeugt hat mich dann der großartige Xbox 360 Controller für Windows, der mich viele Jahre begleitet hat und mitverantwortlich war für die immer intensivere Nutzung von Gamepads am Computer.
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Der Xbox One Controller

Als Microsoft die Xbox-One-Konsole vorstellte, hatte ich nur Augen für den neuen Controller. Noch nie dagewesene Investitionssummen von über 100 Millionen US-Dollar in die Entwicklung vereint mit Redmonder Ingenieurskunst ergaben den, wie soll ich es nur ausdrücken, ohne zu übertreiben, besten Gamecontroller, den die Menschheit je gebaut hat? Jetzt war nur die Frage, wann kann ich das Schmuckstück für „nur“ 60 Euro endlich am PC benutzen? Die Antwort war enttäuschend und stellte meine Geduld auf eine harte Probe. Erst Ende 2015 sollte der Wireless-Dongle (Kabellos-Adapter) für Windows-Rechner erscheinen. Auch wenn Anfang letzten Jahres bereits offizielle Treiber veröffentlicht wurden, ergab für mich das Ganze erst kabellos Sinn, sodaß zunächst Warten angesagt war.
XBoxOneZubehoerZiemlich überraschend kam zur E3 2015 die Ankündigung Microsofts, eine eigene Elite-Gaming-Hardware-Linie auf den Markt bringen zu wollen. Das haute mich nicht nur vom Hocker, das änderte auch meine Pläne. Den Anfang sollte im Oktober 2015 der Xbox One Elite Wireless Controller machen, der nicht nur für die Konsole, sondern auch für Windows 10 erscheinen sollte.

Die immense Nachfrage in Form unfassbar hoher Vorbestellerzahlen und breiter Medienpräsenz hat selbst Microsoft überrascht und auf dem falschen Fuß erwischt. Eklatante Lieferschwierigkeiten und eine notwendige Aufstockung der Produktion waren die Folge, die den Elite Controller erst ein halbes Jahr später, nämlich Anfang April 2016 in ausreichender Stückzahl auf dem deutschen Markt verfügbar machte. Mittlerweile war auch der Wireless-Adapter zu haben und der Controller wurde auch für ältere Windows-Versionen wie Win 7, Win 8 und 8.1 für kompatibel erklärt. Da schlug ich zu.

Was man Microsoft anlasten muss, ist weniger der Preis von 150 Euro an sich, vielmehr ist es die Tatsache, dass ich unverzichtbares Zubehör, wie den Wireless-Adapter für knapp 30 Euro oder bei Bedarf das Play & Charge Kit für knapp 20 Euro oder die Ladestation für ebenfalls 20 Euro plus zwei wiederaufladbare AA-Batterien zusätzlich anschaffen muss, (Microsoft legt lediglich zwei normale Batterien bei) anstatt diese in einem Bundle angeboten zu bekommen. Schwache Leistung in diesem Segment. Die Konkurrenz macht das aber auch nicht besser. Razer verlangt das gleiche Geld und bietet nicht einmal kabellose Funktionalität und Scuf verlangt für einen voll ausgestatteten Controller mit eigenem Wunschdesign alles in allem über 200 Euro.

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Der Elite Controller im Detail

Beim Kauf fällt bereits das Gewicht des Gamepads in der Verpackung auf. Diese ist bereits besonders wertig gestaltet. Der Controller an sich befindet sich in einer schwarzen Transporttasche mit Reißverschluss, wobei Transporthartschale ob der Stabilität und der Schutzfunktion der Hülle für Gamepad und Zubehör angebrachter wäre. Alle Teile finden in dafür vorgesehenen Schaumstoffslots ihren Platz für den stationären oder mobilen Einsatz. Im Lieferumfang befinden sich noch ein stoffbezogenes USB-Kabel, zwei unterschiedliche Steuerkreuz-Aufsätze, drei verschiedene Paar Analogstick-Aufsätze und vier Paddles für die Unterseite des Controllers. Alle Aufsätze und Hebel sind aus Metall gefertigt. Die sichtbare Oberfläche des Gamepads ist mit einer mattschwarzen und weichen Gummierung überzogen und ist zusammen mit der texturiert gummierten Antirutsch-Oberfläche der Unterseite eindeutig ein Handschmeichler.

Die A-, B-, X- und Y-Tasten sind dem Edeldesign geschuldet schwarzgrau gehalten und für ungeübteEigene_Elite_Controller_All User nicht gleich an der Farbe zu erkennen und somit im Extremfall schwer zu orten. Die mit eigenen Vibrationsmotoren ausgestatteten Trigger unterstreichen mit ihrer geschmeidigen Metalloptik die hohe Qualität der Hardware. Am 3,5-mm-Klinkenanschuss lassen sich direkt Headsets oder Kopfhörer anschließen.

Mir persönlich sagt das höhere Gewicht von bis zu 360 Gramm zu, da es meiner Spielweise entgegenkommt. Der Xbox-One-Standard-Controller wiegt im Vergleich nur circa 270 Gramm und ist damit sogar 10 Gramm schwerer als Razers Wildcat Controller. Bei stundenlangem Zocken mit dem Elite Controller bietet sich folglich das Auflegen der Hände auf Tisch, Schoß, Oberschenkel oder Knie an, da es sonst angeblich zu Ermüdungserscheinungen der Arme kommen kann. Mir ist das bislang  nicht passiert.

Testsystem unter Windows 8.1

Bevor ich auf die Ergebnisse meines Windows-10-Testsystems mitsamt Zusatzsoftware eingehe, möchte ich zunächst die etwas eingeschränkten, jedoch nicht minder beeindruckenden Features und Funktionalitäten des Gamepads unter Windows 8.1 und älter beleuchten. Der Wireless-Adapter, der bis zu acht Controller gleichzeitig unterstützt, wird wie der Elite Controller selbst direkt beim Anschluss an einen freien USB-Slot anstandslos erkannt und alle Treiber werden automatisch installiert. Nach Betätigung der Connect-Buttons auf dem Adapter sowie dem Controller wird die Verbindung dauerhaft hergestellt und die Geräte sind betriebsbereit. Unterschiedliche Blinkcodes des Xbox-Buttons zeigen den Pairing-Status, die Verbindung sowie die Trennung an.

XBoxwin_8_1Die Laufzeit hängt stark von den verwendeten Akkus ab. Die besten Ergebnisse habe ich mit Eneloop-AA-Batterien von Panasonic mit einer Kapazität von 1900 mAh und einer zehnstündigen Aufladephase unter 250mA Ladestrom erzielt. Eine Akkuanzeige direkt am Controller wäre aber wünschenswert gewesen, da kurz vor Leer keine Warnung erfolgt und der Controller sich dann einfach abschaltet. An sich kein Problem, da auch mitten im Spiel nach einem kurzen Akkuwechsel das Zocken on the Fly fortgesetzt werden kann. Eine Vorwarnung wäre jedoch eleganter gewesen und könnte böse Überraschungen mitten in einer heißen Gamesession vermeiden. Der Anschluss per USB-Kabel liefert in dieser Hinsicht auch keine Lösung, da eine Aufladefunktion bedauerlicherweise fehlt.

Mit keinem Titel meiner Windows-Spielesammlung, der grundsätzlich Gamepad-Steuerung erlaubt, konnte ich Probleme feststellen. Die fehlende Möglichkeit jedoch, außerhalb von Windows 10 die Button-Belegung frei vorzunehmen, beschränkt das Tasten-Layout auf Ingame-Einstellungsmöglichkeiten. Standardmäßig entsprechen die Digital-Paddles auf der Unterseite den vier Buttons A, B, X und Y. Die Paddles lassen sich im Übrigen auch abschalten, indem man den kleinen grünen Connect-Button an der Stirnseite des Controller zweimal kurz betätigt. Hinsichtlich der Bedienung von Standardfunktionen bietet der Elite Controller keinen direkten Mehrwert im Vergleich zum Xbox-360-Gamepad oder dem Xbox-One-Standard-Controller. Letzterer lässt sich aktuell auch unter Windows 10 nicht konfigurieren. Das bleibt auf dem PC Elite-exklusiv, wird aber Konsolen-Usern auf der Xbox One ermöglicht.

Auffallend beim Elite Controller ist die äußerst präzise Steuerung. Auch ohne zusätzliche OptimierungEigene_Elite_Controller_Bilder_007 durch die Software hat keines der Analogsticks unnötiges Spiel, kein Trigger läuft auch nur einen Millimeter ins Leere und alle Tasten und Knöpfe liefern sofortiges Feedback. Hier spielt das Gamepad seine hochwertige Verarbeitung aus. Die Hände liegen ruhig und sanft auf der griffigen Oberfläche, kein schwitziges Festkrallen auf Plastikschalen, keine Druckstellen und taube Finger nach stundenlangem Daddeln. Auch gehört das bekannte Verwinden und Knarzen des Controllers unter Gewalteinwirkung endlich der Geschichte an. Tasten-, Trigger- und Stickgeräusche sind Dank des hochwertigen Materialverbaus minimal. Zusatzgeräte wie das Chatpad mit Tastatur lassen sich aufgrund des unveränderten Formfaktors gegenüber dem Standard-Xbox-One-Controller problemlos auch an die Elitevariante anschließen.

Funktionen, Features und Modifikationen

Ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal sind beim Elite Controller die direkten Modifikationsmöglichkeiten an der Hardware. Die mitgelieferten Analogsticks, Paddles und Steuerkreuze lassen sich kinderleicht, blitzschnell und ohne Werkzeug austauschen, ersetzen, umtauschen und entfernen. Magnete ziehen und halten die Bauteile fest in Position. Neben den beiden Standardsticks mit kurzem Hals und konkaver, aufgerauter Daumenauflage, liegen zwei weitere baugleiche Analogsticks mit längerem Hals dem Controller bei. Diese erhöhen die Präzision bei der Steuerung. Vorteile kann dies bei Rennspielen wie Need for Speed oder modernen Shootern bieten, aber auch besonders die Steuerung in Hybrid-Titeln wie in GTA 5 oder Mad Max verbessern. Zwei zusätzliche Sticks mit konvexer Daumenauflage und mittellangem Hals unterstützen die eher stubbsende Bedienung der Sticks, wie in manchen Jump’n’Runs oder Platformern nötig. Gamern mit kürzeren Daumen kommt dies auch entgegen. Natürlich lassen sich die unterschiedlichen Analogsticks auch beliebig nach Gusto kombinieren.
XOne_Elite_Controller_1Die Paddles an der Unterseite sind zwar das gewöhnungsbedürftigste Hardware-Feature, können aber nach einer kurzen Übungsphase die Bedienung erleichtern und durch verkürzte Wege der Finger viele Funktionen beschleunigen. Das Schalten bei Spielen wie F1 oder Forza kann beinahe stilecht erfolgen. Bei Twinstick-Shootern können die Daumen durchgehend auf den Sticks belassen werden, ohne lästig zwischen rechtem Stick und Buttons hin und her zu wechseln. Das Anbringen von nur zwei Paddles hat unter Umständen auch seine Vorteile. Im Grunde handelt es sich nur um kleine grüne Digitaltasten, die durch Aufklippen und Wippen der Metallbügel betätigt werden.
Äußerst praktisch ist auch die Arretierungsfunktion der analogen Trigger. Diese lassen sich per Schiebeschalter bei voller Funktionalität auf 50 Prozent des Hubweges beschränken, sodass beispielsweise aus einem Gaspedal oder Schubregler ganz schnell eine Funktionstaste oder ein Gewehrabzug wird. Hier trägt die Hardware den Unterschieden diverser Spielegenres Rechnung. Während zum Beispiel in Trackmania Turbo ein feinfühliges analoges Gaspedal unverzichtbar ist und den vollen Weg des Triggers in Anspruch nimmt, währe dies in einem First-Person-Shooter nicht nur kontraproduktiv, sondern kann in extremen Fällen sogar ein echter Nachteil sein, indem man in der Hitze des Gefechts wichtige Millisekunden verschenkt.
Zu Diskussionen im Vorfeld führte das Steuerkreuz des Controllers, genauer gesagt der Oktagonaufsatzrisen3kreismenü (auch Diamond-Aufsatz), als dieser anfangs nur durch Abbildungen bekannt, Spekulationen in Richtung Touchpadfunktion des damals vorgestellten Steamcontrollers auslöste. Das ist natürlich Unsinn. Es handelt sich lediglich um eine gelungene Erweiterung des Digikreuzes um ein komfortableres Anwählen in der Diagonalen zu ermöglichen. Der Scuf Infinity 1 Controller bietet mit seiner aufsetzbaren Gummidisk ein ähnliches Feature. Wer gerne mit dem Kreuz steuert, wird merken, dass der Daumen in einer Art Schale zum Liegen kommt und für Richtungsänderungen weniger über das Kreuz streifen muss.
In Prügelspielen wie Street Fighter oder Mortal Kombat konnte ich geringfügige Erleichterungen feststellen. Viel beeindruckender fand ich aber die exakte Anwahl des Kreismenüs in Risen 3. Wer die Tücken der Padsteuerung in Piranha Bytes‘ RPG kennt, weiß was ich meine. Einmal den genauen Winkel mit dem herkömmlichen Steuerkreuz geringfügig verfehlt, schon ist unwiederbringlich die falsche Spruchrolle aktiviert oder der aufwendig hergestellte Trank futsch oder man verwandelt sich mitten im Bosskampf ungewollt in einen Papagei. Die achteckige Steuerschale verhindert das und scheint wie für solche Zwecke geschaffen.
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Die Windows-10-App

Die Software in Form der Xbox-Zubehör-App ist und bleibt wohl auch bis auf Weiteres Windows-10-exklusiv und ist als Teil des kostenlosen Xbox-App-Pakets ausschließlich im Microsoft Store zu haben. Das große Softwarepaket bringt Xbox-Funktionen auf den heimischen Rechner und ermöglicht das Streamen von Xbox-One-Spielen auf jeden Windows-10-PC. Die Zubehör-App dagegen, die uns weit mehr interessiert, ist viel kleiner, gesondert herunterladbar und beschränkt sich lediglich auf die Konfiguration und Kalibrierung des Xbox One Elite Controllers. Wie oben schon erwähnt, ist die Konfiguration des Standard-Xbox-One-Controllers mit der App auf PC nicht möglich. Dies bleibt Xbox-One-Konsoleros vorbehalten.

Xbox_Elite_005Eigentlich könnten wir jetzt aufhören, denn mit all den Möglichkeiten, Features und Modifizierungen, die der Elite Controller bietet, haben wir doch beinahe alles was das Gamer-Herz begehrt. Schließlich ist das elitäre Spielgerät in seinem Funktionsumfang, seiner Qualität, seiner ausgeklügelten Ergonomie und technischer Präzision mehr als wir je zuvor gekannt oder erst recht zur Verfügung hatten. Microsoft öffnet aber mit der Software und deren Fülle an Einstellungsmöglichkeiten das Tor in eine neue Gamecontroller-Dimension. Beinahe alles lässt sich auf Wunsch verändern, umstellen, einstellen, zuweisen, tauschen, abschalten oder modifizieren. Nur bleibt eben die Nutzung der App und somit die Entfaltung des vollen Controller-Potentials für PC-Spieler auf Windows 10 beschränkt.

Angefangen mit der beliebigen Zuweisung oder Mehrfachbelegung aller verfügbaren Tasten, Trigger oder Paddles bis zum Tausch der Analogsticks untereinander, was nicht nur Linkshändern entgegenkommen sollte, bietet die Software auch Einstellungen im Detail. Beispielsweise lässt sich der Auslösepunkt der Trigger mitsamt ihrer Intensität und dem Output stufenlos anhand eines Schiebereglers anpassen. Selbstverständlich ist auch die Vibrationsstärke aller vier Motoren einzeln regulierbar. Die Analogsticks lassen sich beide sowohl in ihrer Ansprechbarkeit als auch in ihrer Sensitivität mit Hilfe einer Koordinatenkurve modifizieren. Dies kann durch verschiedene Presets aber auch manuell als Ganzes oder unabhängig entlang der X- und der Y-Achse erfolgen. Individuelle Vorteile lassen sich erzielen, indem man unmittelbares Auslösen für mehr Präzision einstellt oder eine gewisse „Deadzone“ einkalkuliert, um versehentliches Betätigen auszuschließen. Auch lässt sich die Intensität der Xbox-Button-Beleuchtung stufenlos einstellen. Der Knopf dient im Übrigen auch dem Ein- und Ausschalten des Geräts.

Nach erfolgreicher Konfiguration lassen sich über 255 unterschiedliche Profile in der Cloud speichern, Halo5_03sodass sie jederzeit verfügbar sind. Zwei Profile lassen sich immer direkt auf die eingebauten Speicherchips des Controllers selbst speichern und mit Hilfe eines Schiebeschalters anwählen. Wem das zuviel des Guten ist, darf werkseitig vorgefertigte Profile von Microsoft verwenden. Diese sind speziell auf Spiele zugeschnitten und lassen sich direkt aus einer Liste in der App laden. Aktuell liegen Profile für Forza 6, Halo 5 – Guardians, Gears of War Ultimate Edition und Sunset Overdrive vor. Es werden zum Teil auch unterschiedliche Layouts als Alternativen für ein und das selbe Spiel angeboten. Geplant sind in naher Zukunft Gamepad-Layouts direkt von den Entwicklern, um die Spielerfahrung zu optimieren. Mit welchen Studios Microsoft hier zusätzlich Partnerschaften anstrebt, ist nicht bekannt.

Mitbewerber im Hochpreissegment

Wie schon erwähnt, ist die Gamecontroller-Konkurrenz in diesem Segment eher rar gesät. Ich habe mir zwei Alternativen angesehen, auf die ich aber nur kurz eingehen möchte. Der Razer Wildcat Controller und der Scuf Infinity 1 Controller. Preislich bewegen sich beide, wie der Elite Controller von Microsoft so um die 150 Euro.
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Razer Wildcat Xbox One Controller

Die Wildcat verzichtet auf eine Wireless-Funktion und somit auf ein wichtiges Komfortelement, erreicht dadurch aber ein niedriges Gewicht von nur 260 Gramm und garantiert eine sehr schnelle und fehlerfreie Datenübertragung. Die neueste Version bekam nun einen Bluetooth-Empfänger spendiert, was zwar kabellose Nutzung ermöglichen soll, aber für einen intensiven Dauerbetrieb weniger geeignet ist. Darüber hinaus besitzt der Controller zwei zusätzliche und frei einstellbare Bumper an der Vorder- und zwei mechanisch arretierbare Analogtrigger an der Unterseite sowie eine selbst zu montierende Antirutsch-Hülle für die Oberfläche und austauschbare Bezüge für die beiden carbonverstärkten Joysticks.

Razer-Wildcat-eSports-Controller-fuer-Xbox-OneEinen echten Vorteil bietet auch die Vier-Tasten-Variante des Digipads, was ähnlich auch beim Dualshock-4-Controller der Playstation 4 funktioniert, sich aber bei Razer an einer weit ergonomischeren Stelle befindet und somit sehr beliebt bei Profispielern ist. Überhaupt richtet sich der Wildcat-Controller am e-Sport aus, was der Hersteller bei der Vermarktung nicht müde wird zu erwähnen. Die Kooperation mit Profiteams der e-Sport-Ligen hat Razer sich bei der Gestaltung des Gamepads besonders auf die Fahnen geschrieben. Die Verarbeitung ist spitze, die Haptik astrein, auch wenn das Gesamtpaket aufgrund der verwendeten Materialien nicht ganz an den Elite Controller herankommt. Bei der Qualität und der Ausstattung sind die aktuellen 150 Euro Anschaffungspreis durchaus gerechtfertigt. Das Design ist weniger bieder, was dem Controller bereits viele Fans beschert hat. Native Treiber bietet Razer lediglich für Windows 10 an. Nutzer älterer Win-Systeme müssen die Standardtreiber des normalen Xbox One Controllers nutzen. Die Razer Wildcat ist empfehlenswert für Styler und Vielzocker, die ein durchdesigntes Profiwerkzeug ohne viel Schnickschnack bevorzugen.

Scuf Infinity Xbox One Controller

Der amerikanische Hersteller Scuf Gaming geht mit dem Infinity 1 Xbox Controller einen anderen Weg. Als Platzhirsch der Szene greift Scuf auf eine breite Basis unter den Profispielern zurück. Angeblich sollen über 90 Prozent der Berufsgamer bislang einen entsprechenden Controller genutzt haben. Scuf hält sich vom Design her eng an die Vorgaben des Xbox-One-Standardcontrollers und modifiziert lediglich Details. In der Tat handelt es sich um einen professionell gemoddeten Xbox One Controller. Die individuell anpassbare Oberfläche in Farbe und Material ist ein beliebtes Alleinstellungsmerkmal. Die zahlreichen optischen Kombinationsmöglichkeiten sorgen für ein individuell zugeschnittenes Profigerät. Zum Entfernen, Tauschen, Umstellen und Kalibrieren einzelner Teile der Hardware werden speziell mitgelieferte Werkzeuge benötigt. Dadurch werden weit mehr und viel feinere Abstimmungen und Einstellungen ermöglicht, als der Elite Controller von Microsoft zu bieten im Stande ist. Dadurch entfällt ein Teil des Komforts und die Ausrichtung auf die Zielgruppe wird offenbar.

Während der Elite Controller mehr den Enthusiasten mit Geschmack, Wert auf Qualität, Design undscuf_features Verarbeitung im Blick hat, bietet Scuf ein durchdachtes, solides, professionelles und langlebiges Arbeitsgerät. Im Scuf-Shop lässt sich beinahe jedes Einzelteil gesondert erwerben und selbst montieren. Aufgeraute Oberflächen, Sticks in unterschiedlicher Länge und Beschaffenheit, eine Steuerdisk fürs D-Pad oder unterschiedliche Buttons und Paddledesigns. Dadurch ist der Preis für die Grundausstattung zwar im Bereich der Mitbewerber auf dem Markt, erhöht sich aber drastisch, wenn jedes noch so kleine, aber notwendige Teil, zusätzlich angeschafft werden muss. Dabei hilft dem Käufer ein Tool auf der Scuf-Website, das wirklich keine Modifikationswünsche offen lässt. Auf der Softwareseite bedient sich der Scuf der neuesten Xbox-One-Controller-Treiber. Der Controller ist definitiv nichts für Gelegenheitsspieler, was im Grunde für alle drei genannten Kandidaten gilt, in diesem Fall aber besonders klar wird. Zu empfehlen ist er für Vielspieler und Profis, die keine Kompromisse machen möchten und sich auch mal in die komplexe Konfiguration stürzen möchten, um effiziente Ergebnisse in der Steuerung zu erzielen.

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Fazit

Wie schon erwähnt, ist keines der vorgestellten Gamepads für Spieler geeignet, die einen Controller nur sehr selten nutzen oder ihn bloß als Mittel zum Zweck oder gar als notwendiges Übel zum Absolvieren spielerischer Inhalte betrachten. Dennoch ist jeder PC-Spieler, der sich mit weniger als dem normalen Xbox One Controller oder gar dem Xbox 360 Controller zufrieden geben muss, zu bedauern. Ihm oder ihr entgehen dadurch positive Spielerfahrungen, derer man sich erst gewahr wird, nachdem man entsprechende Geräte selbst in den Händen hielt.

Wer das Geld aber für solch hochwertige Spielehardware, wie dem Elite Controller ausgibt, weiß im Grunde was er will und was er bekommt. Der Xbox One Elite Wireless Controller von Microsoft hat es geschafft, den Markt für Gamepad-Enthusiasten durchzuwirbeln und ihn neu zu beleben. Er ist imstande, nicht nur den Vorsprung der Konkurrenz aufzuholen, zum Teil kann er auch im Vergleich zur Razer Wildcat oder dem Scuf Infinity 1 noch eine Schippe drauflegen. In Punkto Design, Material, Qualität und vor allem Haptik und Komfort, macht dem Elite Controller keiner was vor.

Win10_xboxSicherlich, das hohe Gewicht und die dezent gehaltenen Farben der Tasten sind nicht nur Geschmackssache, sie können in Einzelfällen auch zum Nachteil gereichen. Aufgrund der ungewohnten Bedienung der Paddles auf der Unterseite, kann sich auch mal ein Finger darin verfangen und die Hebel ungewollt entfernen, was inmitten einer aufgeheizten Spielesession zum Verlust der Teile auf dem Boden, in Couchritzen oder Tiermäulern führen kann.

Viel mehr Rüge jedoch verdient die Vermarktungspolitik von Microsoft. Bei Verlust oder Beschädigung von Einzelteilen oder Zubehör oder schlicht bei Zusatzanschaffung von Ersatzteilen ist die Angabe einer Xbox-One-ID notwendig, die lediglich beim Kauf einer Microsoft-Konsole vergeben wird. Wie dieses krasse Problem für reine PC-Nutzer gelöst werden soll, bleibt Microsoft bislang eine Antwort schuldig. Ebenso werden Besitzer älterer Windows-Versionen diskriminiert, zum Upgrade auf Win 10 genötigt und mit eingeschränkter Softwarefunktionalität abgespeist, obwohl sie das gleiche Geld bezahlt haben. Des Weiteren fehlt eine wie schon erwähnte Akkuanzeige außerhalb der Xbox-Zubehör-App.

Ansonsten ist es schwer, Negativpunkte beim Elite Controller zu finden. Das Gerät ist von einer solch hohen Qualität und liegt dermaßen gut in der Hand, dass es schwer ist, nicht vom verwirklichten Gamertraum zu sprechen. Es bietet mit seiner Präzision und seinen zahlreichen Modifizierungsmöglichkeiten nie dagewesene Features für eine intensive Spielerfahrung. Für alle die das Geld dafür haben, häufig und länger am Stück mit Gamepad am PC spielen und Wert auf durchdachte Funktionalität und Langlebigkeit legen, ist der Xbox One Elite Wireless Controller aus der Redmonder Hardwareschmiede uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Cockjoker_Mini
c0ckj0k3r für NETZPUNK – 02.06.2016

Rocket League

Rocket League

 

Rocket_League_Teaserbild

Wir Deutschen lieben Fußball aber noch viel mehr lieben wir Autos. Die Kombination aus beidem sollte uns vor Begeisterung aus den Latschen kippen, erscheint uns zunächst aber sonderbar. Mit Rocket League zeigen uns ausgerechnet Amerikaner, dass die Mischung nicht nur funktioniert, sondern auch das Potenzial zum Superhit besitzt.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, konnte ich Fußball noch nie richtig leiden. Das muss an meiner zwar sportlichen aber wenig dem ledertretenden Rasensport zugeneigten Kindheit liegen. Irgendwie war der Platz immer zu groß und matschig, meine Beine zu lang und nicht krumm genug und der Ball flog aufgrund meiner berüchtigten Spitzkicktechnik stets in alle Winde, nur nie aufs Tor. Darum ließ ich es auch bald sein, quälte mich und vor allem meine Mitschüler nicht weiter mit gehaltvoller Talentlosigkeit.

IntSocC64Auch als leidenschaftlicher Gamer der frühen Achtziger färbte meine Aversion gegen das runde Schweinsleder auf die Auswahl in Frage kommender Titel für den Homecomputer ab. Nie rührte ich ein Fußballspiel an, kein Microprose Soccer oder Sensible Soccer konnte mich locken. Na gut, International Soccer (C64) war ein zu großer Spaß um es zu ignorieren. Auch ließ ich mich 1989 breitschlagen und spielte die eine oder andere Partie Kick Off mit Freunden auf dem Amiga aber das war es dann auch mit meiner Fußballkarriere.

Der Hit

Ein gutes Vierteljahrhundert später, nachdem ich alle PES und FIFAs erfolgreich umschifft hatte, traute ich meinen Augen nicht, als diese eindeutig mich selbst in der Spiegelung des Monitors, am Controller meines PCs festklammernd wahrnahmen, wie ich schwitzend und verkrampft, bereits seit unzähligen Stunden ohne Wasser und fester Nahrung Rocket League zockte. Was? Fußball mit Autos? Das soll der Hit sein? Ja! Kaum zu glauben, dafür wahr.

Brion Zane hatte mich im Sommer auf das Spiel gebracht, das seit Juni kostenlos im Playstation Plus zu haben ist. Dank Multiplattform-Feature stand direkten Duellen nichts im Wege. Aber was genau ist Rocket League? Worin gründet der Wahnsinnserfolg dieses eigenwilligen Sportspiels mit über 5 Millionen Downloads? Woher rühren kurzzeitige Bestseller-Ränge auf Steam mit fast 200.000 gleichzeitigen Spielern und über 2 Millionen Zuschauern bei Live-Streams?

Das Spiel

RL_Karl_KapplerDie Spielidee ist alles andere als neu. Bereits Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts stellte der Deutsche Karl Kappler (1891 – 1962) ein Ballspiel für motorisierte Fahrzeuge vor und gewann in den Folgejahren mit seinem Mercedes diverse Matches gegen Opel, Adler und Wanderer. Nach 1935 geriet der Trendsport wieder in Vergessenheit. Ein Revival erlebte der Autoball in Brasilien der frühen Siebziger Jahre, wo sogar Meisterschaften ausgetragen wurden. Die Ölkrise beendete jedoch bald den Aufstieg dieser Funsportart durch ein staatliches Verbot. Erst durch Stefan Raabs Autoball-Meisterschaften erlangte der Sport erneut Bekanntheit, auch wenn er nie wirklich ernsthaft betrieben wurde.

SARPBCDer kalifornische Spiele-Entwickler Psyonix, bekannt durch seine Mitarbeit an Unreal Tournament 2004 und den Eigenentwicklungen ARC Squadron, einem akzeptablen Weltraum-Shooter für Mobilgeräte sowie dem sich aktuell in der Beta-Phase befindlichen MMO-Shooter Nosgoth, in dem Menschen und Vampire in Arenen gegeneinander antreten können, veröffentlichte bereits 2008 mit Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars, der Name ist kein Scherz, den Quasi-Vorgänger ihres aktuellen Superhits Rocket League. Nur war es damals weder die Zeit, noch sprach das etwas aufgeblasene Gameplay von SARPBC mit seinen Single-Player-Minispielen, Tournaments und Challenges, sowie den Hügeln und Tälern auf dem Spielfeld für einen echten Erfolg. Mittelmaß war die Folge, sowohl bei den Bewertungen als auch den Verkäufen, wobei letztere mit 2 Millionen nicht ganz so schlecht abschnitten. Ein gewisses Potenzial schlummerte ja auch in diesem Vorgängertitel.

Der Sport

RL_ESLBei der Entwicklung von Rocket League jedoch hieß das Motto Reduktion und Perfektion, was bereits in der Anfang 2014 gezeigten Alphaversion zu erkennen war. Man beschränkte sich auf das Wesentliche. Eine solide Physik-Engine, die Unberechenbarkeiten des Balls und der Fahrzeuge nahezu ausschließt, eine präzise Kollisionsabfrage, die ein beinahe perfektes Zusammenspiel zwischen Fahrzeug, Ball und Spielfeld erlaubt und eine überschaubare Anzahl an Arenen mit ebenem Untergrund und abgerundeten Spielfeldecken um einem gewissen Sportspiel-Standard Tribut zu zollen. Nicht umsonst hat die e-Sport-Liga ESL das Spiel nur wenige Tage nach Release in ihre Rotation aufgenommen. Die Major League Gaming (MLG) hielt zwischen September und Oktober die erste offizielle Profi-Meisterschaft ab.

RL_SpeedballDie Verfeinerung der Spielmechanik spiegelt sich auch in der besonders exakten und feinfühligen Steuerung wider. Das Gefühl ist direkt und die Steuerungsmöglichkeiten sind auf Gas, Bremse, Sprung, Handbremse sowie Turbo und Ball-Kamera beschränkt. Im Sprung sind natürlich Salti vorwärts und rückwärts möglich, häufig auch notwendig um dem Ball Speed und Effet zu verleihen. Doppelsprung und Rollen in beide Richtungen gekoppelt mit Turbo-Boost erlauben virtuose Bewegungsfreiheit im horizontalen und vertikalen Raum, sowie überlegene Ballkontrolle. An dieser Stelle muss leider, jedoch zurecht die olle Floskel „Leicht zu lernen, schwer zu meistern“ herhalten.

Blindes auf-den-Ball-Zurasen führt nicht zum Erfolg. Diszipliniertes Anpeilen nach Augenmaß und genaues Timing sind genauso unumgänglich wie das richtige Management der Turbo-Ressource. Diese lässt sich zwar an diversen Punkten auf dem Spielfeld immer wieder aufladen, doch oft ist in der Hitze des Gefechts ein dringend benötigter Aufladepunkt in weiter Ferne. Natürlich ist das Absolvieren der Tutorials und Training im Vorfeld äußerst hilfreich, doch letztlich sind die unvorhergesehenen und nicht selten spannenden und teils spektakulären Situationen auf dem Spielfeld mit echten Mitspielern die besten Lehrer. Spielen kann man 1 gegen 1 im Duell oder 2 gegen 2 sowie das besonders spaßige 3 gegen 3 und natürlich den nicht zu unrecht „Chaos-Mode“ genannten 4 gegen 4 Spielmodus.

RL_Violett_TeamEinige US-Magazine lobten den Shooting-Star Rocket League verdient über den grünen Klee, jedoch teilweise mit für uns seltsamen Begründungen. Manche Kollegen verteilten Höchstnoten, nur weil sie mit Hilfe des Spiels endlich die „Soccer-Rules“ verstanden hätten. Dabei verzichtet dieses exzellente Kicker-Rennspiel auf so ziemlich alles, was den Fußball scheinbar ausmacht. Aus oder Ecke fehlt ebenso wie Abseits oder Foulspiel. Das Runde muss ins Eckige und die Partie dauert fünf Minuten. Anstoß, Latte, Pfosten und Parade sind alles was übrigbleibt. Ein ebenso spaßiges wie taktisches Feature ist zudem noch die Möglichkeit, den Gegner kurzzeitig auszuschalten indem man ihn mit Turbo-Speed rammt. Der Bolide explodiert und wird mit leichter Verzögerung vor das eigene Tor teleportiert.

RL_Spielfeld

Das Design

Für alles gibt es natürlich Auszeichnungen, die am Ende des Spiels aufgerechnet werden. So kann nach spannenden Muliplayer-Sessions der wertvollste Spieler bestimmt werden. Dies macht natürlich im Splitscreen-Modus, den Psyonix dankenswerterweise implementiert hat, nebeneinander sitzend am meisten Spaß, wobei da die Über- und Rundumsicht ein wenig leidet und Online-Partien übers Internet einen Vorteil gewährt. Das Matchmaking klappt ganz gut, man wird stets mit Spielern gleichen oder ähnlichen Ranges verbunden. Die Verbindung zu den Servern war im Sommer noch katastrophal, hat sich in der Zwischenzeit jedoch sehr verbessert.

RL_BluecarIm Grunde ist Rocket League eine Mischung aus Trackmania und Speedball, Flatout und FIFA, ist Sportspiel, Rennspiel und irgendwie auch Jump’n’Run zugleich. Der Singleplayer-Modus beschränkt sich auf eine eher spartanische Liga-Kampagne und Meisterschaft, die sich gut zum Trainieren eignet. Zahlreiche Fahrzeuge, die von euch nach Belieben modifiziert, lackiert und ausstaffiert werden können, sorgen für Abwechslung und für individuelles Aussehen eures Sportgeräts. Inhalte dieser Art, die stets nur optischer Natur sind und somit die Ausgeglichenheit im Wettbewerb sicherstellen, werden vom Entwickler immer wieder in Form von DLCs nachgereicht. Dies kann, abhängig vom Content, gratis oder gegen wenige Euro erfolgen. Beispielsweise wurden die altbekannten Battle-Cars aus dem Vorgänger wieder eingeführt, ebenso wie der DeLorean aus Zurück in die Zukunft oder eine Vault-Boy-Antenne aus Fallout 4, die neuerdings auswählbar sind.

Die DLCs

RL_IceAktuell hat Psyonix den Titel um diverse Modi erweitert, die den Spielspaß weiter steigern sollen. Mit dem Mutators-Pack ist es euch beispielsweise möglich, „Moonball“ mit veränderter Gravitation zu spielen oder mit „Cubic“ einen quadratischen Ball mit allen physikalischen Eigenheiten zu nutzen sowie den eh schon großen Spielball weiter aufzublasen und luftig leicht Beachball-Partien zu bestreiten. Ein Demolition-Modus ist nun ebenfalls vorhanden. Die Kalifornier planen zudem einen Zusatzinhalt für den 14. Dezember, der nach vielfachem Wunsch der Community, eine Eis-Arena mit Riesen-Eishockey-Puck vorsieht. Auch soll ein postapokalyptisches Szenario mit entsprechendem Spielfeld, Fahrzeugen und Accessoires am 1. Dezember angeboten werden.

Rocket League ist bislang nur für PC und PS4 zu haben, wobei Versionen für MacOS und Linux bereits angekündigt wurden. Als Anfänger und Casual-Gamer habt ihr garantiert euren Spaß, sowohl online als auch offline, mit oder ohne Freunde und sei es im Splitscreen oder an einzelnen Terminals. Profis und Perfektionisten unter euch finden ein Spiel vor, in dem sie sich nicht nur voll austoben, sondern auch ihre eigenen Grenzen ausloten und überwinden können.

Das Fazit

RL_LigaRocket League von Psyonix ist ein Programm für die Ewigkeit geworden. Verzeiht bitte das Pathos. Was ich damit sagen will ist, dass die Entwickler aus San Diego ein echtes Videospiel erschaffen haben. Solche legendären Kreationen sind von Dauer, bleiben lange in der Spielebibliothek und noch länger in Erinnerung. Der Titel erscheint nahezu perfekt, was weniger durch Hinzufügen als vielmehr durch Weglassen erreicht wurde. Die Reduktion auf das Notwendigste stand im Zentrum des Spieldesigns. Tiefe und Komplexität verschwinden zugunsten von Gameplay und Emotion. Natürlich gehören Glück und Pech auch immer dazu aber hauptsächlich stehen wieder die Skills des Spielers, seine Fähigkeit mit dem Controller umzugehen, taktisch zu denken und das richtige Timing für sich zu nutzen, eindeutig im Vordergrund. So gibt es keine Ausreden, wenn es auf dem Spielfeld mal schlecht läuft, dafür sind Jubelorgien nach einem Triumpf an der Tagesordnung.

RL_NightDie Spielerschaft ist größtenteils umgänglich, Ausnahmen bestätigen die Regel, die internationalen Ranglisten sind motivierend, der Sammeltrieb wird durch zahlreiche Modifizierungsmöglichkeiten der Fahrzeuge und Teamlogos befriedigt und schnelle Einstiege zwischendurch sind ebenso möglich wie stundenlange Championships. Das Spiel ist in der Lage sowohl Fußballhasser als auch Begeisterte zu überzeugen.

Rocket League ist mit Abstand mein Lieblings-Indiespiel des Jahres. Es hat sich mehr oder weniger unerwartet mit seinem klaren und schnörkellosen Design sowohl in meine persönliche Spiele-Topliste als auch in mein Herz katapultiert. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Videospielperle seiner Sammlung hinzuzufügen.

RL_Goal

Cockjoker_Mini c0ckj0k3r für N E T Z P U N K – 28.11.2015